Schwabi entdeckt trailrun (Worldmasters in Dortmund)
Es deutete sich schon an. Nach den kräfteraubenden Crossläufen zu Saisonbeginn war es Schwabi, der immer so entzückt war, was bei uns Mitläufern ehr auf Verwunderung stieß. Denn so richtig spaßig ist diese Spezialdisziplin wirklich nicht.
Es war also nur konsequent, dass Schwabi sich bei einem richtigen Cross event austoben würde. Mit dem Worldmasters trailrun in Dortmund fand er nun die richtige Plattform.
Es folgt der "ungeschminkte" Läuferbericht:
Vom 06. – 08.11.09 fanden erstmalig die Windstopper Trailrun Worldmasters statt. In Dortmund. Dortmund und Trailrunning? Wie soll das denn gehen. Ich kann euch sagen, es geht und man kann hier mehr Höhenmeter sammeln als ihr vermutet. Und die können einen mächtig platt machen. Aber hier mal der Reihe nach…
Tag 1: Da der Start zum ersten Lauf für mich erst um 15:56 stattfindet gehe ich noch mal vor dem Frühstück etwas laufen. Von unserem Hostel an der Dortmunder Westfalenhalle, kann ich direkt in den schönen Park am Westfalenstadion ( jetzt Signal Iduna Park ) laufen. Sehr schöne Waldwege und so gar nicht "pottig" wie man es eigentlich erwarten könnte. Außerdem muss ich noch meine neuen Trailschuhe einlaufen. Das klappt sehr gut. Nix drückt und ich hab einen guten Grip. Leider gibt es aber auch hier Hunde, die mir nicht freundlich gesellt sind, so dass ich sogar einen Umweg in Kauf nehme, um nicht noch einmal an meinem 4-beinigen Freund vorbei zu müssen... Dann am späten Nachmittag geht es dann endlich los. Der Start wird hier richtig celebriert. Da hat man sich richtig ins Zeug gelegt und es macht wirklich Laune hier dabei zu sein. Gestartet wird in 15s Abständen. Zuerst die Favoriten, dann geht es nach Anmeldungseingang. Erster Starter ist Dieter Baumann, dann folgt Luminita Zaituc und als 216ter auch ich. Vorher noch etwas einlaufen, dann geht´s los. Sehr viel Trail ist hier auf dem Phoenixgelände noch nicht, trotzdem muss man einige rutschige steile Hänge, teils mit kurzen Treppen rauf und runter. Für einen Trailanfänger wie mich ganz gut zum eingewöhnen. Ohne mich nun komplett zu verausgaben laufe ich nach 18:13 ins Ziel ein. Das reicht für Platz 29. Morgen geht es mit der Königsetappe weiter. Übrigens: Siegerzeit 15:35min (Stefan Paternoster, Österreich )
Tag 2: Zu aller erst stellt sich heute die Frage, was man anziehen soll. Reicht ein Shirt und kurze Hose oder kühlt man dann extrem aus? Ich entscheide mich für unsere 3/4-Hose, LA-Shirt und Pullover. Meine Beine fühlen sich nach dem gestrigen Prolog eigentlich sehr fit an. Noch schnell einige Gel-Chips in die Taschen gestopft und los gehts. Vom Augustinum in Dortmund geht es direkt in den Wald und erst mal 3km bergauf. Alles läuft sehr rund und ich versuche mein Tempo zu finden. Nach gut 6km geht es die erste steile Rampe hoch und die ersten 176 von 846HM sind geschafft. Die Wege sind meist befestigt, manchmal aber auch sehr matschig, steinig und rutschig. 7km weiter sind wir schon bei 329HM. Jetzt geht es so langsam richtig zur Sache. Auf den nächsten 10km sammeln wir weitere 450HM. Immer wieder sehr steil hoch, dass ich nur noch gehen kann und ebenso mörderisch steil wieder runter. Das schafft mich extrem. Mir fehlt einfach die Kraft für die Berge. Obwohl ich, wie gesagt nur hoch gehen kann, ist mein Puls am Anschlag. Dafür komme ich sehr gut runte, sammle die Läufer vor mir regelmäßig wieder ein, weil ich mich den Hang regelrecht runter stürze und versuche mich dabei wieder etwas zu erholen. Es wird zwar immer härter, aber das Tempo fällt noch nicht groß ab. Das ändert sich nach ca. 30km. Schlagartig bin ich völlig KO. Zwar liegen nun nur noch kleine Steigungen vor mir, aber selbst an diesen scheine ich fast zu scheitern. Mein Tank ist komplett leer. Ich futtere schnell einen Gel-Chip, doch es ist schon zu spät. Mein Tempo fällt nun deutlich ab und an einer Brücke über eine Bundesstraße gebe ich verzweifelt auf. Nichts geht mehr. Der Streckenposten versucht mich auf zu bauen ( nur noch 2,5km ). Zwecklos. Mein Zimmerkollege Hans Hörmann, Führender in der Masters-Wertung, holt mich ein und gibt mir seinen Gel-Chip. Ich futter ihn einfach weg, will mich nur noch hinlegen. Dann kommt doch wieder von irgendwoher ein Motivationsschub: ich will finishen, egal wie. Also setze ich mich wieder in Bewegung, langsam gehend. Ich rechne mir aus, dass ich in dem Tempo noch 20 - 25min brauchen werde. Egal, ich will ins Ziel. Ich versuche wieder etwas zu gehen, das klappt mal 100 - 200m, dann muss ich wieder gehen. Laufkollegen und Streckenposten versuchen mich zu motivieren. Die Stimmung hier ist wirklich einmalig und ich will unbedingt dazugehören und morgen noch mal an den Start gehen. Dann sehe ich endlich den alten Hochofen. Von hier aus sind es noch 2km geradeaus ohne Berge. Endlos. Dann sehe ich das 1km Schild ( hier werden die KM rückwärts angegeben!). Das bringt mir so einen Motivationsschub, dass ich tatsächlich wieder ins Laufen komme. Vielleicht waren es auch die beiden Gel-Chips, die Wirkung gezeigt haben. Jetzt nur noch geradeaus, über ein paar Schwellen springen und noch die Treppen hoch und dann ab ins Ziel. Das war hart und ich habe auch wirklich schlecht ausgesehen. Der Kameramann hat das auch noch festgehalten und so konnte ich am Abend in den Bildern des Tages eben diese Bilder nochmals sehen. Siegerzeit: 2:10:47 ( Michael Smith, USA) Tag 3: Nach dem wirklich schweren Rennen gestern, fühle ich mich zwar körperlich etwas angeschlagen, aber mental wirklich stark. Denn schlimmer als gestern kann es jetzt nicht mehr werden. Das was heute kommt werde ich auch noch schaffen. Los geht es wieder am Augustinum. Zu den Klängen von "Highway to Hell"(ACDC) geht es los. Wieder erstmal endlose Kilometer nur bergauf. Hier fehlt mir einfach die Kraft um richtig durchzuziehen, so laufe ich so locker es halt noch geht. Im Gegensatz zu den beiden ersten Läufen wird der Matsch heute richtig tief und die Bergabtrails richtig schwierig. Dadurch kann man sich weniger erholen. Egal, dafür sind es heute nur 339HM. Im Hinterkopf habe ich natürlich immer das gestrige Desaster und so nehme ich lieber einen Gang raus, bevor ich am Schluss wieder keine Körner mehr habe. Außerdem nehme ich schon früher meinen Gel-Chip und schieße am Schluss sogar noch ein Gel hinterher. So komme zwar ziemlich platt aber doch ohne große Probleme bereits nach 1:25:56 ins Ziel. Geschafft. Gesamt 29ter ist auch noch in Ordnung. Siegerzeit: 1:12:22 ( Timo Zeiler,D, deutscher Berglaufmeister ) Die Abschlussveranstaltung mit Siegerehrung und wieder den Bildern des Tages sind mal wieder Gänsehaut pur. Ein super Event ist zu Ende gegangen. Vielleicht sogar der schönste in meiner Karriere. Tolle Organisation, wahnsinninge Inszenierung des Laufs am Abend, geniale Location, super Verpflegung, unglaublich motivierte 100 (!!!) Streckenposten und natürlich die nie für den Ruhrpott möglich gehaltenen Trailstrecken. Ich denke keiner der 250 Teilnehmer hat seine Teilnahme bereut, auch wenn € 179 Teilnahmegebühr happig sind. Dafür bekommt man aber auch wirklich viel geboten. Und was mich betrifft: ich bin infiziert, was das Trailrunning betrifft. Außerdem wurmt es mich, so schlecht "am Berg" zu sein...
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