Wieder liegt ein überaus erfolgreicher Berlin Marathon für unsere SCM Läufer hinter uns.
Für jeden Läufer ein sehr persönlicher Auftritt, der im Folgenden genauer dargestellt wird.
Geschafft – oder, na also, geht doch !
Gemeint ist natürlich die Marathonzeit, mit Ziel die 2 Std. 40 min zu knacken. Einfach war das nicht, und es hat schon 3 Anläufe benötigt, um endlich diese Hürde überwinden zu können. Umso glücklicher springe ich jetzt vor Freude in der Gegend herum. Die Vorbereitung diesmal war gut, hart, und fast schon an der Grenze des Zumutbaren. Mit etwas Glück habe ich aber schließlich ohne größere Blessuren bis zum Start in Berlin durchgehalten. Ein leichter Grippeanflug in der Woche vor dem Start ließ es noch mal spannend werden.
Zum Lauf nur soviel: Gestartet mit viel Adrenalin im Blut und Schwabi an meiner Seite war die erste Hälfte des Marathons wohl doch etwas zu ambitioniert angegangen (HM 1.18.34 Std.) und so ab km 25 signalisierte mein Körper eine gewisse Kraftlosigkeit und auch Ratlosigkeit. Dazu gesellten sich dann noch die üblichen Muskelschmerzen. Das bis hierhin eingelaufene dicke Zeitpolster galt es also jetzt über die Zeit zu bringen, bzw. bis in Ziel zu verwalten, was mit etwas Glück dann doch ohne größere Probleme gelang.
Die Zielzeit blieb schließlich bei 2.39.07 Std. stehen. Ein großer sportlicher Traum ging damit für mich in Erfüllung.
Es bleibt mir nur Dank zu sagen, vor allem an meine Familie, die viel Verständnis und Geduld mit einem Laufverrückten aufbrachte, wohl auch weiterhin aufbringen muss. Danke auch an meine Trainingspartner Schwabi, Jürgen, und Günther, die mir vor allem bei den langen Läufen Gesellschaft leisteten. Nicht zuletzt auch der Dank an meinen persönlichen physiotherapeutischen Betreuer Ronny Pfefferkorn, der in der Endphase des Training die körperlichen Blessuren kurieren konnte. Nächstes Jahr wird, was Berlin angeht, wohl eine "sportliche Babypause" eingelegt. Was dann kommt, wird sich zeigen.
Franz
Jürgen Guth
Endlich war er gekommen. Gemeint ist der 28.09.2008. Es ist soweit. Berlin-Marathon!!!
Die harten Wochen der Vorbereitung liegen hinter mir. Die Verletzung im rechten Bein scheint auskuriert zu sein. Die Zielzeit von unter 3:00 Stunden kann in Angriff genommen werden. Mit Schwabi und Franz im Startblock A. Die Anspannung ist kaum noch zu Toppen.
Und schon ertönt der Startschuss. Die Halbmarathondistanz (1:25:23) lauf ich sogar in Bestzeit. Man, achte ich, dass wird ja ne super Zeit. Bei km 30 werden aber die Beine schwerer und schwerer. Ab jetzt ist das Rennen nur noch Kopfsache. Endlich die letzten 2 Kilometer. Das Brandenburger Tor in Sichtweite. Jetzt wusste ich, du schaffst es. Die Stoppuhr blieb für mich letztlich bei 2:59:01 Stunden stehen.
Danke möchte ich auch noch sagen. Danke an Katharina, Flo und Theresa, dass sie mir während der Vorbereitung den Rücken frei gehalten haben und auf die eine oder andere Aktivität mit mir verzichten mussten.
Letztlich möchte ich allen Mara-Thonis zu Ihren supertollen Bestzeiten gratulieren. Ihr könnt Stolz auf Euch sein!
Also auf Bald, vielleicht nächstes Jahr in Berlin.
Jürgen
Christian Schwab (Schwabi)
Jetzt gilt´s
Strecke: 42,195km | Dauer: 2:40:01Uhrzeit: 9:00 | Wetter: Start 8°C, Ziel 16°C
Jetzt gilt es also all das umzusetzen, was man sich mühevoll in den letzten Monaten angeeignet hat. Berlin hat es wieder mal gut mit uns Läufern gemeint und bestes Marathonwetter gebucht. Wer hier nicht Bestzeit läuft ist selbst schuld.Die Nervosität hält sich eigentlich in Grenzen. Es ist mehr eine Spannung die sich nun auch innerlich aufbaut. Eine Spannung, die durch das wenige Laufen in den letzten Tagen schon längst in den Beinen angekommen ist und nun darauf drängt sich endlich entladen zu können. Anders als im letzten Jahr fühle ich mich auch beim Einlaufen blendend. Etwas Stress entsteht auf dem Weg in meinen Block, da es sich hier extrem staut. Warum man hier fast ausschließlich auf Läufer stößt, die in die hinteren Blöcke wollen, verstehe ich nicht. Was mich aber auf die Palme bringt ist, dass sich diese Leute auch dreist in den Block A stellen. Eben dieser ist proppenvoll, obwohl hier nur Läufer zugelassen sein sollen, die unter 2.20 Std. laufen! Und davon gibt es wirklich nicht allzu viele.So muss ich mir nach dem Start auch den Weg durch viel zu langsame Mitläufer bahnen, hüpfe hin und her, werde immer wieder ausgebremst und muss aufpassen, dass ich nicht auch noch stolpere. Nach 2 km ist endlich ein normales Laufen möglich und das Renntempo kann aufgenommen werden. Dieses sollte eigentlich 3-4s/km langsamer sein, aber wenn man mal im Fluss ist, dann soll man sich auch nicht ausbremsen. Das war wahrscheinlich ein Fehler, denn bei der Hälfte gehe ich nur knapp über meiner Bestzeit über die Zeitmatten. Jetzt wird mir doch etwas mulmig, denn so richtig locker war das nicht. Bei km 30 wird mir dann schnell klar, dass das heute ein harter Kampf wird und bei km38 wird es eine einzige Qual. Von meinem Anfangstempo ist nicht mehr viel übrig und mit dem wenigen Blut, das noch in meinen Gehirnzellen arbeitet versuche ich auszurechnen, ob es noch für eine Zeit unter 2:40 reicht. Es sollte immer noch reichen, aber es wird knapp. Im Gegensatz zum letzten Jahr werden die letzten km kein Jubellauf. Keine Siegerposen und auch kein zufriedenes Lächeln für die zahllosen Zuschauer. Nicht mal den "thoni" hab ich gemacht! Ich muss nur noch möglichst schnell die tonnenschweren Beine ins Ziel bringen. Wo ich die Kraft für den Zielsprint herbekommen habe, weiß ich nicht. Trotzdem haben am Schluss ganze 2 Sekunden oder 8m gefehlt um die 2:40 zu knacken.
Im Ziel dann ein wirklich komisches Gefühl. Einerseits froh, dass die Qual ein Ende hat, andererseits aber auch keinerlei Euphorie, wie in den Jahren zuvor. Es war mehr so ein Stimmungsloch. Ganz seltsam.
Schwabi
Mein erster Marathon! Vor genau einem Jahr hatte ich Haile live am Fernseher bei seinem Rekordlauf verfolgt und den Entschluß gefaßt: 2008 packe auch ich die 42,195 km an! In Berlin!
Endlich hatte das lange darauf Hinfiebern ein Ende! Der 12wöchige Trainingsplan war penibel abgearbeitet, eher mit ein paar Kilometern mehr als zuwenig - fürs gute Gewissen.
Keine Blessuren, keine Infekte. Die Ziele waren gesteckt und gestaffelt.
Erstens: Ankommen - und zwar laufend,
erhobenen Hauptes, nicht auf allen Vieren. Zweitens: unter 6 min/km bleiben. Drittens: die für den Debütanten magischen 4 h knacken. Daß das geht, haben Klaudia, Tine Maier und viele andere ja bewiesen. Daß das scheitern kann, sehe ich an einem Arbeitskollegen, der etwa 4000 km und 10 Marathons im Jahr läuft und immer wieder mal die 4 h verpaßt. Meine
Halbmarathon- und 10-km-Zeiten der letzten Wochen deuteten per Hochrechnung an, daß es ganz knapp werden wird.
Sonntag Morgen. Die letzten Tage vor dem Rennen habe ich zuviel getrunken und zuwenig geschlafen. Morgens drei Mal auf dem Klo, in der letzten Stunde vor dem Start noch drei Mal. Aus dem Plan, uns im hintersten Startblock H - ich war bei der Anmeldung für Berlin viel zu ehrlich - ganz vorne aufzustellen, wird leider nichts, es ist kein Durchkommen durch die Läufermenge möglich.
Massenveranstaltungen haben eben auch ihre schlechten Seiten. Tine Maier startet und läuft mit mir gemeinsam. Verletzungsbedingt mußte sie ihren Vorbereitungsplan reduzieren und sie nimmt mir das Versprechen ab, sie mitzuziehen und sie erst nach ihrem dritten "Ich kann nicht mehr" zurückzulassen.
Nach dem dritten Startschuß geht's endlich los! Haile ist schon bei über km 7 und hat freie Bahn - wir nicht. Die Straße des 17. Juni ist zwar eindeutig breiter als der Weltkulturerbelauf-Pfad vom Abts- zum Michelsberg, aber es sind hier auch ein paar Läufer mehr. Doch wie Schwabi bereits schrieb, gibt es dieses Problem der Hindernis-Läufer (oder besser
Läufer-Hindernisse?) auch ganz vorne im Feld. Nur daß es hier hinten nicht 2 sondern 12 km lang dauert, bis ein einigermaßen gleiches Tempo von allen rings umher gelaufen wird.
Hindernis-Läufer begegnen mir aber durchwegs viel zu viele bis km 35 und ab da stören dann die Geher.
An ein meditierendes für-sich-Hintraben ist also überhaupt nicht zu denken. Der Slalomlauf kostet unheimliche Konzentration und die Zwischenspurts und Stop-and-Go-Phasen rauben Kraft. Allein deswegen wünsche ich mir, ein 3-Stunden-Läufer zu sein. Am Ende zeigt mein Laufsensor 1 km mehr als die eigentliche Marathon-Distanz. Sicherlich ist da auch ein Meßfehler dabei, aber auch eine gehörige Portion Umweg.
Natürlich sind einige Umwege auch von mir selbst verschuldet: die erste Pinkelpause schon bei km 1 (!), die nächste bei km 10. Zu aufgeregt oder falsch vorbereitet?
Die Läufermassen scheinen sich auch an jedem Verpflegungsstand um die vordersten Trinkbecher zu prügeln, was für ein Gedränge! Am Ende der Verpflegungszonen stehen die Helfer dagegen unbeachtet herum. Der Boden ist erst klatschnass, dann entsetzlich zugemüllt von Bechern und gefährlich rutschig von aufgelöster Pappe und zermatschten Bananen, schließlich wird's klebrig und nach einem halben Kilometer endlich wieder normal. Auch das gehört zur Crux der Horde von Langsamläufern!
Doch insgesamt überwiegen beim Berlin-Marathon die positiven Aspekte:
entlang fast der ganzen Strecke ist die Unterstützung durch die Zuschauer phänomenal - selbst für einen vom Weltkulturerbelauf verwöhnten Memmelsdorfer! Es herrscht Volksfeststimmung und Spaß, auch unter den Läufern. Alle paar Kilometer spielen Bands, die Läufer genießen hohen Respekt seitens der Berliner und ich fühle mich ein klein wenig wie auf Händen getragen.
Das Wetter kann besser nicht sein: kühl, mit Sonne - und die Strecke verläuft großteils im Schatten. Ideal für mich, der ich bei Hitze schnell Probleme kriege.
Die größte Angst nach dem Start: bloß nicht überpacen! Ständige Tempokontrolle, Tine muß ich immer wieder zurückpfeifen, damit wir nicht zu schnell werden. Der Puls ist sowieso schon von Anfang an um 5 Prozenzpunkte zu hoch!
Schließlich gelingt es mir doch, unter kontinuierlichem Überholen ein relativ konstantes Tempo - der Laufcomputer zeigt 5:35 min/km, er lag wie ich im nachhinein weiß um 5 bis 10 sec falsch - zu laufen, doch der Rückstand von etwa 1 Minute auf die 4-h-Vorgabe-Zwischenzeiten ist einfach nicht kleinzukriegen. Dann Halbmarathon-Zwischenzeit bei 2:00:11, noch ist alles drin! Die zweite Hälfte soll ja 2 min schneller werden als die erste. Doch mein Puls liegt schon bei 90 % HFmax und steigt unerbittlich alle 2 Kilometer um einen weiteren Punkt. Ich brauche doch noch Körner fürs Ende! Ich steigere mein Tempo nur ein klein wenig um ein paar sec pro km - und muß Tine davonziehen lassen.
Ich kann mein Renntempo halten, was mich selber überrascht. Der Lauf kommt mir vor wie einfach ein "Ultra-Halbmarathon", doch hinter welcher Ecke lauert denn nun der gefürchtete Mann mit dem Hammer? Bei km 32 taucht Elke (gottseidank kann sie nicht dieser Mann sein ;-) )am Straßenrand auf und jubelt mir zu. Ich bin noch gut drauf und kann auch zurücklächeln. Bei km 35 und immer noch 32 sec Rückstand auf die Vorgabezeit wird mir klar: ich kann den Rückstand nicht wirklich verkleinern, obwohl ich noch konstant laufen kann, aber eine Temposteigerung ist nicht mehr drin, das 4-h-Ziel ist weg. Prompt sinkt mit der Motivation das Tempo um 25 sec auf 6:00 min/km. Bei km 37 merke ich dann allmählich, d.h. nicht (hammer-)schlagartig, sondern im Laufe etwa eines km, immer deutlicher, wie schwer Beine sein können! Irgendjemand hat sie während des letzten km in Blei gegossen! Aha. Hier also beginnt der Marathon erst wirklich.
Mein Tempo nimmt weiter ab. Tief Einatmen geht nicht mehr, die Luft bleibt kurz unter dem Schlüsselbein stecken. Es hilft nur eines: weiter Tempo rausnehmen. 6:30 min/km, dann knapp 7 min/km. Der Puls geht runter. Wie schrieb doch Haruki Murakami über diese Phase? "Der Schmerz ist unvermeidlich. Leiden ist eine Option". Er hat tatsächlich recht.
Ich wiederhole diesen Satz und ich laufe weiter. Die Beinmuskulatur schmerzt höllisch, aber ich laufe und laufe weiter.
Endlich die letzte Kurve und das Straßenschild "Unter der Linden". Das Ziel ist noch gar nicht zu sehen und bestimmt beschissen weit vorne.
Aber egal. Ich weiß, ich werde diesen Lauf zu Ende bringen ohne stehenzubleiben, ohne noch weiter einzubrechen, ohne daß mir meine gute Zeit zwischen den Füßen zerrint, das kann mir keiner mehr nehmen! Kurz vor dem Brandenburger Tor hüpft doch so ein Springinsfeld locker im Sprint an mir vorbei und klatscht die Zuschauer ab! So ein Idiot! Der kann unmöglich alles gegeben haben! Was tut er hier hinten zwischen unsereins?! Laß uns Kämpfern unsere Würde!
Schließlich erreiche ich das Ziel: erschöpft, erleichtert, kurz vor dem Heulen vor Glück, spüre keinen Schmerz mehr, bin beflügelt, meinen persönlichen Traum einmal einen Marathon zu finishen, verwirklicht zu haben. Und ich bin stolz, das gesamte Projekt, Rennen UND Vorbereitung, so eisern durchgezogen zu haben. Und ich fahre meinen persönlichen Lohn ganz für mich alleine und nur für mich selber ein: ich bin am Ziel angekommen, ohne Krämpfe, ohne Blasen an den Füßen, ohne Schmerzen an Knochen und Gelenken, in einer anständigen Zeit. Ich muß eine ganze Menge richtig gemacht haben.
Weitergehen, nicht stehenbleiben, der Kreislauf kann nicht so schnell umschalten! Doch nach 100 Metern stockt alles, zu viele wollen ihre Medaille abholen. Die Straße ist total mit Läufern verstopft. Ich muß stehenbleiben, obwohl ich gehen will. Mein Kreislauf sackt ab, mir wird langsam übel und schwindlig. Ich mache mich bei einer Helferin bemerkbar, sie heißt mich hinter die Absperrung hinsetzen und bringt mir eine Art lauwarmen Zitronentee, der süß-salzig und leicht nach Fisch schmeckt. Aber er hilft. Zum Glück kann ich sitzen, denn neben mir beugen sich die Läufer, jetzt unfreiwillige Steher, über die Absperrung und kotzen zu mir herüber. Wer nicht vorne mitlaufen kann, zollt bis zuletzt der Massenveranstaltung Tribut. Nach etlichen Minuten und Metern gibt's eine Verpflegungstüte mit zumeist unbrauchbarem Süßkram, den ich kaum runterkriege. Ich denke wehmütig an das Obst nach dem Lauf in Priegendorf! Am meisten stellt mich ein kleiner Becher Berliner Kindl Pilsener wieder her, das erste Getränk nach dem Ziel, das gut reinläuft.
Aber auch hier haben die Götter vor dem Lohn den Schweiß gesetzt: erst Anstehen!
Bereits zwei Stunden nach dem Lauf kann ich wieder problemlos gehen, sogar Treppen steigen, auf und ab, ohne daß was weh tut (allerdings bin ich nach 20 Stufen schon wieder total platt). Auch am Abend und am nächsten Tag habe ich so gut wie keine Probleme mit Muskulatur, Sehnen, Gelenken, Knochen und dem Treppensteigen - was mich selber wie auch andere erfahrene Marathonis überrascht. Ich muß in den letzten 12 Wochen und bis zuletzt wohl wirklich eine ganze Menge richtig gemacht haben.
Mein Fazit zu meinem ersten Marathon: ich bin angesteckt , es war sicher nicht mein letzter! Ich habe mir ja noch ein Ziel übriggelassen!
Und weiterhin will ich beherzigen: Gut Vorbereiten! Und zu Berlin: da bin ich hin- und hergerissen zwischen der Euphorie der Stadt, der Zuschauer und der Läufer, der tollen flachen Strecke, der günstigen Jahreszeit einerseits und den Erschwernissen der Massenveranstaltung andererseits. Ich werde sicher auch mal eine kleinere Veranstaltung probieren, aber auch wieder nach Berlin zurückkommen!
Ach ja, meine Zeit: netto 4 h 4 min 56 sec.
Kurt